Die Pfeifferschen Stiftungen haben im Herbst ihr Sanierungsverfahren erfolgreich abgeschlossen. Ein Erfahrungsbericht von Ulrike Petermann und Prof. Dr. Lars Timm.

Als Anfang 2025 klar wurde, dass die Pfeifferschen Stiftungen ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung einleiten müssen, war die Lage extrem ernst. Wachsende Defizite im Klinikbereich, wirtschaftliche Überlastung und teils zu komplexe, überladene sowie ineffiziente Verwaltungsstrukturen hatten die traditionsreiche diakonische Stiftung sowie vier Tochtergesellschaften in eine existenzbedrohliche Schieflage geführt. Was folgte, war ein intensiver, ehrlicher und hochverdichteter Restrukturierungsprozess – getragen vom Anspruch, den diakonischen Auftrag zukunftsfähig sicherzustellen und den christlichen Geist der Stiftungen zu bewahren.

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team – den gerichtlich bestellten Sachwaltern Prof. Dr. Lucas F. Flöther und Dirk Becker, Generalhandlungsbevollmächtigtem Thomas Mulansky und Christian Beck – in beratender Funktion für die Eigenverwaltung sowie dem Stiftungsvorstand – wurde innerhalb weniger Monate ein tragfähiger Weg aus der Krise entwickelt. In einem kollektiven Kraftakt, der Klarheit, Kommunikation und konsequente Entscheidungen bei hohem Umsetzungstempo verlangte, gelang es, die Stiftung wirtschaftlich zu stabilisieren und ihren Geist zu bewahren.

Dieses Verfahren ist ein Lehrstück dafür, wie ein Schutzschirmverfahren funktionieren sollte: schnell, klar strukturiert und mit Wirkung. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wurde nicht nur saniert, sondern auch Vertrauen bewahrt. Das ist ein starkes Signal für andere Träger in vergleichbaren Lagen.

Der Durchbruch

Ein Durchbruch waren die konstruktiven Gespräche mit dem Universitätsklinikum Magdeburg: Als feststand, dass das UKMD die medizinischen Einrichtungen übernehmen würde, war die Erleichterung spürbar. Uns fiel ein Stein vom Herzen – weil damit sichtbar wurde, dass die Versorgung der Region erhalten und die Sanierung gelingen kann. Gleichzeitig bauten wir mit der Auslagerung von Reinigung, Logistik und Hauswirtschaft in die neue Pfeiffers Service & Dienste GmbH eine tragfähige Struktur in den Stiftungen. Auch, wenn dieses Szenario von Beginn an angestrebt wurde, war das Sanierungsteam jederzeit auf alternative Entwicklungen vorbereitet - mit einem strategischen Konzept und belastbarem Plan B für die Kliniken.

Über die Pfeifferschen Stiftungen

Die Pfeifferschen Stiftungen, gegründet 1889, sind eine gemeinnützige Einrichtung und bieten stationäre und ambulante Seniorenpflege, besondere Wohnformen und Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung, Werkstätten mit ca. 700 Beschäftigten, ambulante Dienste und eine Hospiz- und Palliativversorgung für Menschen jeden Alters. Darüber hinaus sind sie zu 50 Prozent am Bildungszentrum für Gesundheits- und Pflegeberufe Magdeburg und zu 82 Prozent am Sozialpädiatrischen Zentrum Magdeburg beteiligt.

Die ehemals den Stiftungen gehörenden medizinischen Einrichtungen – Klinikum Pfeiffersche Stiftungen, Lungenklinik Lostau, MVZ – werden seit dem 1. August 2025 durch das Universitätsklinikum Magdeburg fortgeführt. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit im Sinne der Menschen in der Region soll auch künftig weitergeführt werden.

Kulturell und strukturell lag die größte Herausforderung in einer Form der Verschlankung, die nicht als Abbau, sondern als bewusstes Fasten verstanden wurde: Alles, was doppelt gewachsen oder organisatorisch zu schwer geworden war, mussten wir verkleinern, damit das Wesentliche bleiben konnte. Viele Prozesse wurden in diesem Zuge wieder unmittelbar den Bereichen übertragen. Mit der Fokussierung auf eine Verwaltungsleitung kehren die Pfeifferschen Stiftungen damit zum früheren Aufbau zurück. In diesem Zuge mussten wir uns auch von einigen motivierten, wie leistungsbereiten Kollegen trennen – die wir jedoch beim Übergang in neue Anstellungen unterstützen konnten. Dieser Balanceakt zwischen ethischer Verantwortung für Klienten, Bewohner und Mitarbeitende sowie betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit zur Wirtschaftlichkeit gelang nur durch intensive und direkte Kommunikation.

Heute, wenige Monate nach dem Abschluss des Verfahrens, bleiben die Pfeifferschen Stiftungen ein starker diakonischer Träger in der Eingliederungshilfe, der Pflege, der ambulanten Versorgung und der Hospizarbeit – stabilisiert, fokussiert und mit klarem Blick auf das, was zählt: Für andere da zu sein. Die Erfahrungen der letzten Monate werden bleiben – als Mahnung, aber auch als Ermutigung, dass Sanierung in der Diakonie möglich ist. Voraussetzung dafür ist ein klares Ziel, ein gemeinsamer Weg und die Bereitschaft, notfalls auch unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen, wenn es keine realistischen Alternativen gibt.

Fotos: privat / Michael Palatini

Die Autoren

Ulrike Petermann ist Theologische Vorständin der Pfeifferschen Stiftungen, Prof. Dr. Lars Timm ist Entwicklungsvorstand der HC&S AG.

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift "diakonie unternehmen" 2/25. Eine vollständige Übersicht aller Inhalte finden Sie hier.