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PRESSEMITTEILUNG | Kein Sahnehäubchen, sondern Tun des Eigentlichen

Symposium Diakonische Identität in einer pluraler werdenden Gesellschaft

Gut 80 Vorstände und Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen und Träger diskutierten am 9. und 10. Mai 2019 in Berlin im Rahmen eines Symposiums der Diakonie Deutschland, des Instituts für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement (IDM) der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel und des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD) Fragen „Diakonische(r) Identität in einer pluraler werdenden Gesellschaft“. 

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie erklärte in seinem Eingangsstatement: „Deutschland wird mit großer Geschwindigkeit ethnisch, kulturell und religiös vielfältiger. Die Anzahl der Kirchenmitglieder wird abnehmen. Außerdem wird die Gesellschaft trotz Migration immer älter, sie wird sozial ungleicher und digitaler – was noch einmal immense soziale Folgen nach sich ziehen wird. Die gesellschaftliche Situation erfordert eine kulturelle Öffnung der Diakonie nach innen und nach außen. Zum Beispiel indem sie sich öffnet für Menschen, die konfessionslos oder anders religiös sind. Aber auch indem sie Bündnisse mit neuen Partnern wie Wohnungswirtschaft oder Kommunalpolitik vor Ort eingeht. Nur so wird die Diakonie im Markt der sozialen Dienstleister erkennbar evangelischer Wohlfahrtsverband bleiben. Brücken bauen, Verbindungen schaffen, Menschen zusammenbringen. Diese Überzeugung wurzelt in unserem Glauben.“

Wissenschaftliche Erkenntnisse lieferte die Studie „Diakonische Identität – empirische Erkundungen aus der Perspektive von Mitarbeitenden“ des IDM, die unter Leitung von Frau Prof. Dr. Beate Hofmann durchgeführt wurde. Prof. Dr. Thorsten Moos, Professor für Systematische Theologie / Ethik und Diakoniewissenschaft, stellte die wesentlichen Ergebnisse auf dem Symposium vor: „Mitarbeitende tragen die evangelische Prägung diakonischer Einrichtungen in hohem Maße mit und identifizieren sich meist uneingeschränkt mit dem Ethos christlicher Organisationen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein klares Konzept vorliegt, wie die christliche Identität im beruflichen Alltag gelebt wird und dass es Raum für Kommunikation und Reflexion darüber gibt.“

Einen Einblick in die praktische Umsetzung gewährte Pastor Uwe Mletzko, theologischer Geschäftsführer des Komplexträgers Diakovere aus Hannover und Mitglied im VdDD. Er betonte, dass überall dort, wo Kranke gepflegt, Gefangene besucht, Fremde aufgenommen würden, „Diakonie geschieht“. Ein diakonisches Profil sei „kein add-on, kein Sahnehäubchen, sondern das Tun des Eigentlichen“. Bei Diakovere seien Fragen zur diakonische Identität einerseits der Konzerngeschäftsführung und der Leitungsebene zugeordnet, andererseits aber auch eine „Gesamtverantwortung“ aller Mitarbeitenden. Sichtbar wird das christliche Profil u.a in Startertagen für neue Mitarbeitenden mit einer Andacht, den eigenen Kirchengemeinden im Haus sowie der Schwesternschaft oder Regelungen zum christlichen Umgang mit „Schlüsselmomenten“ wie beispielsweise Geburtstagen, Hochzeiten oder Jubiläen. Ein eigenes Ethikkomitee berät grundsätzliche und strategische Fragen. Durch die Beratungsstelle „Menschenskind“ erhalten Schwangere und Paare, die ein behindertes Kind erwarten, Unterstützung im Vorfeld und eine verlässliche Begleitung für mindestens drei Jahre nach der Geburt.

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