PRESSEMITTEILUNG | Oberste Priorität: Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden

Außerordentliche Mitgliederversammlung des VdDD diskutiert „Trends diakonischer Personalwirtschaft und tarifpolitische Agenda“

Bereits heute ist der Fachkräftemangel in vielen sozialen Berufen beträchtlich. Damit auch zukünftig Leistungen – angesichts weiter steigender Bedarfe z.B. in der Pflege von Älteren und bei der Betreuung von Kindern – durch diakonische Einrichtungen und Träger erbracht werden können, wollen die diakonischen Unternehmen ihre Arbeitgeberattraktivität erhalten und weiterentwickeln. Deswegen wurde auf der heutigen außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD) intensiv über den Entwurf des VdDD-Positionspapiers „Trends diakonischer Personalwirtschaft und tarifpolitische Agenda“ diskutiert.
 
„Die Anforderungen und Wünsche der Mitarbeitenden haben sich in den letzten Jahren geändert. Neben attraktiven Vergütungen und Zusatzleistungen wie einer betrieblichen Altersvorsorge rücken z.B. verstärkt Aspekte wie Work-Life-Balance, Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und Weiterbildungsmaßnahmen in den Fokus“, erklärte der VdDD-Vorstandsvorsitzende Christian Dopheide in Hinblick auf das Papier, welches im kommenden Frühjahr verabschiedet werden soll.

Um das Ziel der Personalgewinnung und -bindung zu erreichen, muss an unterschiedlichen Stellschrauben gearbeitet werden. Dazu gehören u.a. eine attraktive Vergütung, eine flexible, klientenorientierte Arbeitszeitgestaltung, eine agile und moderne Organisation, soziale Sicherheit für die Beschäftigten durch zeitgemäße Sozialleistungen sowie der adäquate Einsatz und die Nutzung von Digitalisierung. Basis all dieser Bemühungen ist das gemeinsame diakonische Profil der Träger und Einrichtungen: Die evangelische Identität soll in den Arbeitsvollzügen z.B. durch diakonische Bildungsangebote oder geistliche Impulse gestärkt und weiter entwickelt werden.

Digitalisierung: grundlegender Paradigmenwechsel

Prof. Dr. Bernhard Kölmel von der Hochschule Pforzheim wies darauf hin, dass es bei der Digitalisierung nicht vorrangig um eine Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung gehe – vielmehr bedeute Digitalisierung einen grundlegenden Paradigmenwechsel mit Auswirkungen auf (nahezu) alle Bereiche des menschlichen Lebens. Zudem müsste „domänenübergreifend“ gedacht und am Markt agiert werden; in der Pflege könnte dies bedeuten, neben medizinischen Leistungen auch Angebote zu Ernährung oder Wellness zu integrieren.

Beschluss der EKD-Synode zum Arbeitsrecht stößt auf Kritik

Die VdDD-Mitgliederversammlung tagte parallel zum letzten Tag der EKD-Synode in Würzburg. Der dort heute getroffene Beschluss zum Arbeitsrecht stieß auf viel Kritik seitens der diakonischen Unternehmer. Durch die Neuerung könnte die bundesweit einheitliche Anwendung eines Tarifrechts beispielsweise bei einem überregionalen Träger erheblich erschwert werden. Bisher konnten z.B. bundesweit tätige Träger in allen Dienststellen dasselben kirchliche Tarifwerk anwenden und so die Gleichbehandlung der Mitarbeitenden sicherstellen und zusätzlichen Verwaltungsaufwand vermeiden. Dies werde nun unter den Vorbehalt von bis zu 20 gliedkirchlichen Vorgaben bzw. von bis zu 10 Arbeitsrechtlichen Kommissionen gestellt. Immerhin scheint es gelungen zu sein, eine Bestandsschutzregelung für Träger, die bislang einheitliches Arbeitsrechts anwenden, kirchengesetzlich abzusichern. „Damit wird einer anachronistischen Zersplitterung der rechtlichen Rahmenbedingungen für die diakonische Arbeit in Deutschland Vorschub geleistet“, kommentiert der VdDD-Vorstandsvorsitzende Christian Dopheide.

 

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