Im November 2023 meldete mit der Diakonie Passau erstmals eine diakonische Einrichtung in Bayern Insolvenz an. Nach Restrukturierung und der Übernahme durch das Werk Traunstein gibt es wieder eine tragfähige Perspektive. Sanierungsberater Klaus Ziegler begleitete das Verfahren in Eigenverwaltung.

Die Ursachen waren vielfältig: Ein defizitärer ambulanter Pflegedienst, unterfinanzierte Beratungsangebote und ein langfristiger Mietvertrag für betreutes Wohnen ohne gesicherte Auslastung. Hinzu kamen massive Kostensteigerungen infolge mehrerer hoher Tarifsteigerungen, Pandemie und Ukraine-Krieg. Rücklagen und kirchliche Zuschüsse reichten nicht mehr aus – Ende 2023 drohte die Zahlungsunfähigkeit.

Zuschuss-Zahlungen sicherstellen

Bereits vor Einleitung des Insolvenzverfahrens musste sichergestellt werden, dass Gelder weiterfließen können. Da während eines Verfahrens eigentlich keine Zuschüsse erfolgen dürfen, wurde durch Einbindung von höchster Ebene – bis hin in die Ministerial- und Bischofsebene – für Rechtssicherheit gesorgt. Die Mittel liefen dann über Treuhandkonten.

Mit Beginn des Verfahrens konnten u. a. durch die Aufkündigung des Mietvertrags für eine geplante betreute Wohneinrichtung Kosten gesenkt werden. Verwaltungsstrukturen wurden gestrafft, Mitarbeitende in den Entwicklungsprozess einbezogen und Geschäftsbereiche überprüft. Ein „Daten-Cockpit“ schuf Transparenz im Pflegebereich und half Leistungen gezielter abzurechnen und verfügbare Mittel der Pflegekassen auszuschöpfen.

In der Restrukturierungsphase wurde festgelegt, welche Angebote aufzugeben sind. Kündigungen blieben die Ausnahme. Durch transparente Kommunikation blieb das Personal dem Werk treu – ein wichtiger Stabilitätsfaktor.

Eingliederung in größeres Werk

Nach erfolgreichem Abschluss dieser Phase wurde dennoch ein größerer Träger gesucht, um dem Werk eine noch höhere Stabilität zu geben: Zum 1. Januar 2025 wurde die Diakonie Passau in das diakonische Werk Traunstein eingegliedert. Die Mitarbeitenden wurden übernommen.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor war die Rolle der langjährigen Vorständin Sabine Aschenbrenner. Auch wenn in der Vergangenheit das Augenmerk in der Steuerung und bei Entscheidungen nicht immer ausreichend auf wirtschaftliche Aspekte gerichtet wurde: Ihr Einsatz, ihre regionale Vernetzung und ihr starker Wille den Einrichtungen eine Zukunftsfähigkeit zu geben, hat wesentlich dazu beigetragen, dass eine Insolvenz in Eigenverwaltung möglich war.

Der Autor

Klaus Ziegler ist Geschäftsführer der tmp. Transformation Management Partner GmbH. Er begleitet  Trägerunternehmen in der Wohlfahrt und Sozialwirtschaft in Eigenverwaltungsverfahren, Transformationsprozessen und als Chief Restructuring Officer (CRO). 

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift "diakonie unternehmen" 2/25.

Krisen wie in Passau zeigen auch grundlegende Defizite auf:

  1. Aufsichtsorgane ohne ausreichende Fachkompetenz
    Viele Aufsichtsräte sind zu groß und heterogen besetzt, die wirtschaftliche Expertise ist nicht ausreichend. Während Vorstand und Geschäftsführung die operative Verantwortung tragen, sollen Aufsichtsräte kontrollieren und beraten – nicht ins Tagesgeschäft eingreifen. In Insolvenzverfahren übernimmt ein Sachwalter die Aufsicht im Sinne der Gläubiger, wodurch Partikularinteressen zurückgedrängt werden können.
  2. Mangelnde wirtschaftliche Transparenz
    Häufig steht der Auftrag – der Dienst am Menschen – und eine hohe Fachlichkeit im Fokus, wirtschaftlichen Fragen kommen zu kurz. Sinnvoll wäre es daher, auch mittlere Managementebenen stärker in wirtschaftlichen Themen zu schulen.
  3. Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechts
    Das kirchliche Arbeitsrecht gewährt Mitarbeitendenvertretungen weitreichende Mitbestimmungsrechte. Kündigungen sind etwa bis auf wenige Ausnahmefälle auch in einem Insolvenzverfahren ohne deren Zustimmung praktisch unmöglich. Blockaden können Restrukturierungen erschweren und verzögern, lassen sich aber durch Gespräche überwinden.

Fazit

Die Eigenverwaltung der Diakonie Passau zeigt: Auch schwierige Fälle lassen sich durch konsequente Restrukturierung, Transparenz und klare Rollen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat stabilisieren.

Größere diakonische Einheiten wie in Traunstein bieten zudem Synergieeffekte, fachliche Breite und bessere Skalierbarkeit – entscheidende Faktoren, um soziale Arbeit unter schwierigen Bedingungen langfristig zu sichern.

VdDD-Magazin "diakonie unternehmen"

Mehr zum Thema "Insolvenzen - Kraftakt & Chance" finden Sie im VdDD-Mitgliedermagazin "diakonie unternehmen" 2/25, das VdDD-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung steht.