Seit gut einem Jahr befindet sich Diakoneo in einem Restrukturierungsprozess. Künftig will sich das Unternehmen auf die Bereiche Bildung und Dienste für Menschen fokussieren. Für die Gesundheitseinrichtungen werden neue Partner gesucht. Ina Strickstrock, Vorständin Personal, berichtet über die Erfahrungen auf diesem Weg. 

Die tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen – insbesondere die Krankenhausreform – fordern uns als freigemeinnützigen Träger massiv heraus. Und sie nötigen uns zu unbequemen Entscheidungen, denn das große Ganze steht auf dem Spiel. Dabei sind wir überzeugt: Restrukturierung kann mehr sein als reines Sparen: nämlich Verantwortung zu übernehmen für Menschen, die Region und die Zukunft eines diakonischen Unternehmens mit rund 10.000 Mitarbeitenden.

Tradition und wirtschaftliche Realität

Über viele Jahre haben wir unsere Krankenhäuser erfolgreich und in der festen Überzeugung geführt, dass regionale Vielfalt, spezialisierte Angebote und das diakonische Profil ein wichtiger Bestandteil der Versorgung sind. Doch die wirtschaftliche Realität hat sich dramatisch verändert: Während die Landesbasisfallwerte jährlich nur um drei bis vier Prozent steigen, klettern Personal- und Sachkosten weitaus schneller. Die Kosten-Erlös-Schere öffnet sich dadurch jedes Jahr immer weiter – trotz aller Anstrengungen von vielen engagierten Mitarbeitenden.

Für einen begrenzten Zeitraum konnten wir die Verluste unserer einst fünf Kliniken auffangen. Nun haben sie sich zum Risiko für das gesamte Unternehmen ausgewachsen. Durch die wirtschaftliche Lage unserer Kliniken ist unser Engagement für Menschen, insbesondere in der Bildung, Behinderten- und Altenhilfe, zunehmend unter Druck geraten. So rutschte die Diakoneo Klinik Schwabach bereits in die Überschuldung und es blieb uns nichts anderes übrig, als für diese Einrichtung Insolvenz anzumelden. Ein für uns äußerst schmerzlicher, aber letztlich unausweichlicher Weg. Die Situation in den anderen Kliniken entwickelt sich in die gleiche Richtung, so dass die Schlussfolgerung lautet: Ohne grundlegende Veränderung gefährden die Verluste im Bereich Gesundheit unsere gesamte Arbeit.

Zusätzlich verstärkt wird der wirtschaftliche Druck durch die Krankenhausreform. Der Wegfall ganzer Leistungsgruppen, unklare Zeitpläne und fehlende Überbrückungsfinanzierungen führen zu massiven Unsicherheiten. Die politischen Signale sind deutlich: Kleine, nicht bedarfsgerechte Grund- und Regelversorger sollen von der Landkarte verschwinden. Nicht nur für freigemeinnützige Träger kann dies ein wirtschaftliches, aber auch strukturelles Problem darstellen.

Über Diakoneo

Als international vernetztes diakonisches Unternehmen in Süddeutschland begleitet Diakoneo Menschen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege, Wohnen, Assistenz, Arbeit und Spiritualität. Das Unternehmen betreibt rund 200 Einrichtungen in Bayern, Baden-Württemberg und Polen und beschäftigt knapp 10.000 Menschen.

Warum Diakoneo einen anderen Weg geht

Viele Einrichtungen setzen auf Insolvenz in Eigenverwaltung, um sich finanziell zu sanieren. Diakoneo verfolgt bewusst einen anderen Kurs. Denn eine Insolvenz bedeutet für Mitarbeitende Unsicherheit und Angst. Das widerspricht unserem Anspruch, ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Deshalb setzen wir auf die Suche nach Partnern, die Tarifbindung, Zusatzversorgung und Arbeitsplatzsicherheit garantieren und eine geordnete Übergabe. Die wirtschaftliche Seite spielt dabei naturgemäß eine sehr wichtige Rolle – entscheidend ist aus unserer Sicht jedoch, dass unsere Werte auch unter neuer Trägerschaft fortbestehen.

Am Beispiel Diak Klinikum Schwäbisch Hall zeigt sich: Die Übergabe an den Landkreis war trotz der damit verbundenen finanziellen Aufwendungen der richtige Schritt. Die Konkurrenz zweier Kliniken in relativer Nähe wurde abgebaut, der Weg für einen notwendigen Neubau freigemacht und das diakonische Profil konnte erhalten werden. Dieser gelungene Übergang zeigt, dass ein Trägerwechsel mehr sein kann als eine rein ökonomische Lösung: Er schafft Planungssicherheit für die Region und verhindert einen weiteren Abbau medizinischer Versorgung vor Ort.

Wenn Behalten die bessere Lösung ist

An anderen Standorten ist die Lage noch weitaus komplizierter. Beispiel: Die Klinik Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik in Nürnberg und die Rangauklinik bei Ansbach stehen seit Monaten in Verhandlungen. Doch geeignete Partner zu finden ist schwierig: Teilweise fordern Interessenten negative Kaufpreise in Millionenhöhe – also Zahlungen von Diakoneo an potenzielle Käufer –, die über die jährlichen Defizite deutlich hinausgehen und für uns keinesfalls tragbar sind. Die Hallerwiese-Cnopfsche Kinderklinik gilt als hochbedarfsrelevant für die Region Nürnberg, ihre Schließung wäre unverantwortlich. Die Rangauklinik hingegen profitiert von ihrem Reha-Schwerpunkt, der im Finanzierungssystem des Gesundheitswesens vergleichsweise stabil gestellt ist.  Gelingt es uns nicht, zu tragbaren Bedingungen geeignete Käufer zu finden, haben diese Häuser auch unter dem Dach von Diakoneo eine Zukunft.

Einbeziehung der Mitarbeitenden

Bei unserer Restrukturierung setzen wir auf Sorgfalt und Transparenz. Markterkundung, Bieterverfahren, Auswahl geeigneter Partner – jeden dieser Schritte gehen wir im engen Austausch mit und unter Einbeziehung unserer Belegschaft. Wir kommunizieren offen, gehen auf die Sorgen aller Beteiligten ein und bemühen uns intensiv um den Schutz der Arbeitsbedingungen. Das ist mühsam und geht nicht ohne Konflikte. Schwierige Rahmenbedingungen – etwa unrealistische Kaufpreise oder Herausforderungen bei der Zusatzversorgung – machen den Prozess nicht einfacher und verlängern die Verhandlungsgespräche.

Trotz aller Herausforderungen im Gesundheitsbereich ist klar: Am Ende steht unsere Vision, Diakoneo als stabiles, dauerhaft tragfähiges Sozialunternehmen zu erhalten. Wir stärken unsere Schwerpunkte: Bildung, Inklusion, Alten- und Behindertenhilfe, Angebote für Kinder und Jugendliche.

Die Kliniklandschaft wird kleiner, vielleicht spezialisierter. Dort, wo sie vielleicht ein Teil von uns bleibt, wird sie stärker mit unseren übrigen Arbeitsfeldern verknüpft sein und mit anderen Trägern kooperieren. Aber auch innovative Modelle bleiben ausdrücklich Teil unserer Strategie. So werden wir auch in Zukunft eine tragende Rolle in der regionalen Daseinsvorsorge spielen – nicht nur als Gesundheitsanbieter, sondern als breit aufgestelltes Unternehmen mit sozialem Auftrag.

Die Autorin

Ina Strickstrock ist Vorständin Personal und Unternehmensentwicklung bei Diakoneo

Hinweis: Dieser Text erschien erstmals in der Zeitschrift "diakonie unternehmen" 2/25. Eine vollständige Übersicht aller Inhalte finden Sie hier.